Es gibt viele Artikel darüber, wie Twitter funktioniert. Der vorliegende Artikel möchte die Frage beantworten, was man mit Twitter machen kann: Was genau ist Twitter und wie nutzt man es?
Was ist Twitter eigentlich?
Sehr abstrakt gesehen bietet Twitter nur die Möglichkeit, Nachrichten zu verschicken (Tweets). Dazu abboniert man Nachrichten von anderen Nutzern (Following) und andere Nutzer abbonieren Nachrichten von einem selbst (Followers). Alle abbonierten Nachrichten sowie die eigenen Tweets erscheinen auf der persönlichen Übersicht (Timeline), die bei jedem anders aussieht.
Dazu bietet Twitter die Möglichkeit, die gesamte Timeline von bestimmten oder von allen Nutzern anzusehen oder nach bestimmten Begriffen zu durchsuchen.
Außerdem bietet Twitter fremden Entwicklern die Möglichkeit, mittels einer von Twitter bereitgestellten Schnittstelle Anwendungen zu erstellen, welche die Struktur und die verschickten Nachrichten für ihre Zwecke nutzen.
Was bemängeln Nicht-Nutzer an Twitter?
Man erlebt es auf Veranstaltungen, im Gespräch mit Bekannten oder auch in der Internetszene. Erwähnt jemand Twitter, werden Augen verdreht und ein räuspern geht durch die Menge. Warum sollte man wissen wollen, was jemand isst, wann er aufsteht und wann er aufs Klo geht? Kurzum: Nichttwitterer halten Twitter für unnütz, unnötig, überflüssig, langweilig oder einfach nur völlig sinnentfremdet. Nett ist da noch die Formulierung, dass es sich bei Twitterern um Menschen mit viel zu viel freier Zeit handelt (das kommt dann von Leuten die GZSZ, Bauer sucht Frau und Mitten im Leben schauen). Schließlich gibt es noch ein paar wenige Seelen, die sich aus Datenschutzgründen dem Preisgeben von geheimen Informationen verweigern. Wer möchte schon Einbrecher im Haus, während man auf dem Klo sitzt? Oder dass Tante Renate die Zahl der monatlichen Fast Food Attacken zur Kenntnis nimmt? Ein weiterer Grund für die Nichtnutzung ist, dass man sich einfach nicht mit der Zielgruppe verbunden fühlt. Das bei Twitter sind doch alles nur Nerds, eine Minderheit oder eine kleine Gruppe von Freaks. Sollen die doch twittern, für mich ist das nix.
Alle genannten Gründe lassen sich zusammenfassen: Menschen kennen nicht der Möglichkeiten von Twitter und haben auch nicht die Lust, sich mit diesem Medium und dessen Möglichkeiten zu beschäftigen. Das werde ich jetzt ändern
Und was für einen Kundennutzen hat Twitter denn nun?
Am Anfang wurde erwähnt, dass man mit Twitter eigentlich nur Nachrichten verschickt. Trotz dieser Gerade wegen der einfachen Struktur ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der Nutzung. Ich habe versucht, meine Schafhirnzellen anzustrengen und diese geordnet:
1. Mitteilung, Vermarktung, Selbstdarstellung (Informationen geben)
Das ist sicherlich der Kern von Twitter. Und auch das, was von Twitter eigentlich wahrgenommen wird. Je nach Grad der Informationen kann die Nützlichkeit von Twitter da stark schwanken. Aber jeder muss und kann selbst entscheiden, wie viel er preisgeben möchte (Ich bin hier, ich bin dort, ich esse, ich feiere, ich schlafe, ich pupse, ich atme usw.). Hier gibt es jedenfalls viele Möglichkeiten der Nutzung:
- als Produzent kann man auf seine geistigen Ergüsse, Produkte und Dienstleistungen aufmerksam machen
- als Hobbyfotograf kann man neueste Schnappschüsse zeigen und mit anderen teilen bzw. diskutieren
- als Internetsurfer kann man Links verschicken, die man entweder vergisst oder sonst mühsam an alle Freunde diese nervend per E-Mail verschickt.
- als Konsument kann man Meinung zu bestimmten Produkten und Orten kundtun, um andere Menschen zu warnen oder tolle Dinge weiterzuempfehlen.
- als Konsument kann man schnell, direkt, öffentlich und trotzdem relativ anonym direkt mit Unternehmen und Produkten kommunizieren und Feedback geben.
- als Mensch kann man Dinge fragen und Hilfe zu Produkten, Vorgehensweisen und Arbeitsweisen suchen.
2. Auf dem Laufenden bleiben (Informationen erhalten)
Genauso wie die Anzahl der eigenen Beiträge kann man auch entscheiden, wie viel man von anderen lesen möchte. Letzendlich ist alles bei Twitter freiwillig und wenn jemand nervt weil er alles mitteilt, kann man ihn eben entfolgen. Möglich ist allerdings viel:
- Spannend ist Twitter vor allem bei Liveereignissen. Man erfährt bei Twitter aus vielen Quellen gleichzeitig Nachrichten, Meinungen und Live-Berichte von anderen Twitter vor Ort. Man ist also bestens informiert, wenn ein Flugzeug abstürzt (“Da ist ein Flugzeug im Hudson. Ich bin auf einer Fähre auf dem Weg, die Leute aufzusammeln. Wahnsinn.“), was auf einem Kongress beredet wird oder wie ein Stadtfest läuft.
- Twitter kann man natürlich nutzen, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Man liest, was der andere macht und kann darauf leicht reagieren. Eine lange, mühselig verfasste Mail ist natürlich viel schöner. Aber ein “Ich denk an dich”, “Oh das Foto ist aber schön” oder “Das klingt ja lustig” ist halt eine kleine Aufmerksamkeit
- Bei Produkten und Unternehmen erhält man von diesen in Umlauf gesetzte Informationen. Man erfährt so schnell von neuen Funktionen, Produkten oder Änderungen bei seinen Lieblingsgadgets. Diese Informationen erhält man entweder aus erster Hand (wenn man dem Urheber folgt) oder von Meinungsverteilern, denen man folgt (das sind dann die sogenannten Retweets). Vorteil gegenüber Newslettern und Foren ist, dass Informationen besser steuerbarer sind und man den Überblick besser behält.
- Daneben gibt es aber auch Meinungen, Fragen und Anregungen zu Produkten, die aus der Masse der Twitterer stammt. Man erhält also einen Eindruck, wie gut und wichtig etwas ist.
- Im Freizeitbereich erhält man Informationen aus seiner Stadt und ist informiert, was gerade in der Nähe passiert.
- Fans von Stars, bestimmten Hobbys usw. können auf dem Laufenden bleiben und erhalten den Überblick über bestimmte Themen.
3. Man kann sich vernetzen und die Masse von Nutzern für sich nutzen
Twitter bietet den Vorteil, dass man sich im Prinzip in einem großen Raum bzw. Netzwerk mit vielen anderen Personen befindet. Dabei sind oft Personen, die das gleiche machen, das gleiche wollen oder die einfach nur gerade in der Nähe sind. Das kann man für sich nutzen:
- man kann bei einem Ort nach etwas Fragen: Wo kann man gut Essen gehen? Wo ist die nächste Post?
- man kann etwas zu Ereignissen fragen: Woher kommt denn dieses Feuerwerk hier in Kassel?
- man kann um Hilfestellungen bitten: Wer ist auch auf der Cebit und hat einen Flaschenöffner für uns? Jemand mit einem Nokia- Handyladekabel an der Universität in Göttingen?
- man kann Kontakte suchen: Wer ist noch im Zug ICE345 und mag sich unterhalten? Jemand hier, der auch zur nächsten re:publica fährt? Mag jemand eine Fahrgemeinschaft zum Konzert von Nightwish bilden?
Twitter bietet darüber hinaus die Möglichkeit, sich aktiv zu vernetzen. Es entstehen freie Diskussionsgruppen zu bestimmten Themen, indem Tweets mit einem bestimmten Stichwort (Hashtag) versehen werden und Menschen ohne Registrierung und Anmeldung einfach mitdiskutieren können.
4. Man erfährt von Meinungen und Trends zu Personen, Orten und Objekten
Während ein Zeitungsartikel von einer Person geschrieben und eine Fernsehsendung von einer kleinen Anzahl menschen redaktionell erstellt wird, lebt Twitter von einer Vielzahl unterschiedlicher Menschen. Das kann man entweder aus Neugier oder aus beruflichen Gründen für sich nutzen:
- Indem man normale Menschen befragt. Dieses geniale Konzept gibt es bei der #frageum9 von germanstudent. Spannender als jedes normale Interview, wenn man erfährt, was 100 normale Bürger wie du und ich für ein Idol haben, ob sie prinzipiell Rachegelüste haben, was ihr ältestes, elektronisches Gerät ist und ob sie mal etwas gewonnen haben.
- Indem man bei der Twittersuche bestimmte Stichwörter eingibt und schaut, was Menschen über Haiti, die SPD, Linkin Park oder das iPhone denken.
- Indem man gemeinsam mit anderen eine Sendung passiv verfolgt und mit der gesamten Nation gemeinsam über einen Kandidaten redet (wie bei Schlag den Raab) oder über eine Antwort bei WWM nachdenkt.
5. Einmal angemeldet und vielfachen Nutzen
Oben wurde erläutert, dass fremde Entwickler die Struktur von Twitter nutzen können, um eigene, auf Twitter aufsetzende Applikationen (Apps) zu erstellen. Es gibt also eine Vielzahl von Apps, welche auf den Äußerungen von Twitteren aufsetzen und Nachrichten in einer Form analysieren, aggregieren oder beurteilen. Dadurch entstehen viele Möglichkeiten. Es werden die Aussagen zu Parteien aggregiert und ein Meinungsbild erfasst, man kann Umfragen durchführen und ansehen, die Emotionen erfassen, seinen Aufenthaltsort mitteilen usw.
In den nächsten Artikeln werde ich das Geschäftsmodell von Twitter vorstellen und überlegen, wie es mit Twitter weitergeht. Bitte meldet euch mit Vorschlägen, Kommentaren und in diesem Artikel gefundenen Fehlern
Euer Schubladenschaf

3 Comments
Sehr gute Zusammenfassung! Und meine Fragerei wurde auch erwähnt
Fühle mich geehrt
Weiter so tolle Beiträge
Hallo,
gute Zusammenfassung. Es gibt noch sehr viel Unwissen rund um Twitter. Doch das wird es wohl immer geben, wenn etwas Neues aufkommt. Und dass Dinge, die man nicht versteht (weil man sie ja nicht benutzt) auch erst einmal schlecht geredet werden, liegt auch speziell in der deutschen Mentalität.
Wo eben die einen das halbleere Glas sehen, ist es bei anderen halbvoll. Nur mal als Vergleich. Es wird immer Leute geben, die etwas Schlecht reden.
So bleibt, entweder missionarisch auf die Mitmenschen eingehen oder jedem sein eigenes Universum lassen. Da viele unserer lieben Mitmenschen mit der sich rasant entwickelnden Technik (auch der Medien) gar nicht mehr mitkommen, habe ich mich für letzteres entschieden.
Soll ja auch Leute geben, die lieber angeln gehen.
Hallo Monika,
danke für deinen ausführlichen Kommentar und das Lob. Ja, das stimmt. Es gibt immer Leute, die Neuem grundsätzlich aufgeschlossen sind und Menschen, die (wie du sehr schön sagst) in ihrem eigenen Universum leben. Normal ist es mir ja auch egal, ich mag nur mit meinem Artikel wenigstens einmal den Nutzen erklärt haben, bevor diese Menschen wieder in ihr Universum entgleiten. Nach dem Motto: Du musst es nicht nutzen. Ich mag dir nur wirklich deutlich machen wofür du es nutzen kannst und was dir entgeht
Und leider gibt es nur sehr wenige Artikel die wirklich nur die Basics erklären und nicht die Möglichkeiten von Twitter hinterfragen.
LG,
das Schaf
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