Warum Linkverkleinerer?
Evolutionstechnisch ist es ja schon ein wenig komisch. Früher hatten wir Mails und lange Forenbeiträge. Und heute sind wir im web2.0 angelangt und schreiben in einer kleinen Textbox mit maximal 140 Zeichen. Twitter hat es damit geschafft, den sogenannten Linkverkleinerern zum Erfolg zu verhelfen. Weniger lange Links bieten halt mehr Platz für eigenen Text. Davon abgesehen: Ein Link wie http://www.schubladenschaf.de/mit-linkverkleinerungsdiensten-wie-bitly-kann-man-lange-urls-ganz-schnell-verkleinern/ ist auch bei anderen Diensten schlecht zu nutzen, schlecht weiter zu leiten und schlecht zu merken. Deswegen also Linkverkleinerer.
Wie funktioniert ein Linkverkleinerer?
Die Funktionsweise von Kurz-URLs wird bei Wikipedia erklärt. Im Prinzip gibt man aber beim Anbieter seine lange URL ein, um daraus eine kurze URL zu erstellen. Das wars. Jeder Aufruf der kurzen URL wird ab sofort vom Anbieter an die lange URL weitergeleitet. Wenn man möchte, kann man einen Alias angeben, der – wenn verfügbar – anstelle einer beliebigen Zifferkombination genutzt wird.
Verkürzte Links sind wie gesagt nützlich, da kurz (siehe oben). Verkürzte Links bieten allerdings auch zwei entscheidene Nachteile. Erstens: Sie verstecken die URL und damit wichtige Informationen, um die Vertrauenswürdigkeit einer Seite einschätzen zu können. Dadurch vereinfachen sie den Betrug oder unbeabsichtigte Aktionen. Zweitens:Alle Daten über die Links sind beim Anbieter. Hat der keinen Bock mehr, seinen Server zu bezahlen, sind die gespeicherten Links weg. Oder er verkauft die ganzen Links. Oder er zieht daraus Schlüsse über Nutzer und Seiten. Oder…
Die Geschichte der Linkverkleinerer
Angefangen hat es mit tinyurl.com. Bei der altbacken blau-weissen Seite kann man bereits seit 2004 Links verkleinern. Das sieht dann so aus:
Aus einer Mehrzahl von verschiedenen Anbietern (z.B. tr.im, cli.gs oder is.gd) soll der im Oktober 2008 gestartete Dienst bit.ly betrachtet werden. Bit.ly hat schon vom Namen her weniger Zeichen als tinyurl.com (6 vs. 11!). Auch die Zeichen der vergebenen Zifferkombinationen liegt bei tinyurl.com mittlerweile bei 7 Zeichen – ein aktueller Test für schubladenschaf.de ergab den Link http://tinyurl.com/yalh93g. Bei bit.ly sind es derzeit nur 6 Zeichen. Hier ist der gleiche Link http://bit.ly/a7NRNY. Damit stehen 26 Zeichen also insgesamt 20 Zeichen gegenüber.
Bit.ly sieht übrigens so aus:
Wie viele Links sind möglich?
In diesem Beispiel möchte ich mir die Anzahl der möglichen Links überlegen. Da bei Linkverkleinerern zwischen Gross- und Kleinbuchstaben unterschieden wird und auch Zahlen möglich sind, ergeben sich für jede Stelle 26 + 26 + 10 Möglichkeiten. Potenziert mit der Länge des erstellten Codes ergeben sich folgende Speichermöglichkeiten.
| Stellen | Mögliche Links |
| 1 | 62 |
| 2 | 3.844 |
| 3 | 238.328 |
| 4 | 14.776.336 |
| 5 | 916.132.832 |
| 6 | 56.800.235.584 |
| 7 | 3.521.614.606.208 |
Das heißt, bit.ly konnte zwischen bit.ly/0000 und bit.ly/ZZZZ etwa 14,7 Mio. Links speichern. Bei 7 Stellen sind es 3,5 Billionen mögliche Links. Zum Vergleich: Das aktuell noch gültige IP-Protokoll IPv4 unterstützt mit seiner Form maximal 4.294.967.296 Adressen. Bit.ly bietet mit seinen 6 Stellen damit schon mehr Möglichkeiten, als es derzeit IP-Adressen geben kann.
So jetzt wird es nerdig. Also springt am besten den Rest bis zum nächsten Kapitel. So muss man nämlich eigentlich bei der oben angegebenen Berechnung zwischen den prinzipiell möglichen (siehe oben) und den tatsächlich gespeicherten URLs unterscheiden. TinyURL hat mir z.B. die Eingabe von schusc als Alias (d.h. http://www.tinyurl.com/schusc) ermöglicht. Obwohl tinyurl.com also bereits Codekombinationen mit 7 Ziffern vergibt, konnte ich mir eine kürzere URL reservieren. Für die Berechnung der möglichen Links muss ich (korrigiert mich wenn ich falsch liege) die Zahl der gesamten möglichen Aliases also um die Zahl der reinen Buchstabenkombinationen abziehen. Damit gibt es für 5 Stellen z.B. nicht mehr ganze 62^5 Möglichkeiten, sondern nur noch 62^5 (= alle Möglichkeiten) – 52^5 (=reine Buchstabenmöglichkeiten). Damit ergibt sich rein theoretisch die folgende Zahl von Links:
| Stellen | Vergebene Links |
| 1 | 10 |
| 2 | 1.140 |
| 3 | 97.720 |
| 4 | 7.464.720 |
| 5 | 535.928.800 |
| 6 | 37.029.625.920 |
| 7 | 2.493.542.903.680 |
Fazit: Da bit.ly nun mittlerweile bei 6 Stellen angelangt ist, müssten sie bereits 535 Mio. Links gespeichert haben. Das klingt viel. Allerdings gibt es bei Twitter derzeit etwa 15 Mio. aktive Nutzer (siehe ein t3n Bericht über aktuelle Twitter Statistiken), die jeden Tag bereits 50 Mio. mal twittern. Wenn davon jeder 50.Nutzer einen bit.ly-Link setzt, dürfte bit.ly jeden Tag um knapp 1 Mio. Links wachsen.
PS: Am besten gleich mal folgenden bit.ly-Link weitergeben: http://bit.ly/cNHZ3v



2 Comments
Joachim Rumohr von Xing hat auch einen Artikel zum Thema Linkverkürzer verfasst. Er hat ´nen guten Tipp, um die verkürzten Links zu “enttarnen”: einfach das bit.ly-PlugIn in firefox installieren und per Mouse-over wird der tatsächliche Link sichtbar.
Link zum Artikel: http://www.rumohr.de/blog/2010/chancen-und-risiken-beim-kuerzen-von-internetadressen/
Link zum PlugIn: https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/10297
Danke für die Tipps! Hab das bit.ly Plugin auch gleich mal installiert